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Ungeschützte PCs können in Zukunft strafrechtliche Folgen haben

April 21, 2009 von Frank

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Nachdem nun die 5 grossen Provider sich von unserer Zensursula in die Knie haben zwingen lassen, ist es Zeit für eine realistische Analyse der Situation. Das Familienministerium behauptet, dass der Grund für die Sperrung ein hoher Anstieg der Kinderpornographie sei. Dazu werden Zahlen bemüht, die bei näherem Hinschauem keiner ernsthaften Überprüfung standhalten.
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Um 111% sei die Zahl der Fälle im Jahre 2006 auf das Jahr 2007 gestiegen. Das ist falsch.

Im besagten Jahr wurde vom BKA die Operation "Himmel" durchgeführt. In der Folgezeit wurden 12.000 Ermittlungsverfahren gegen Beschuldigte eingeleitet. Allerdings stellten die zuständigen Staatsanwaltschaften weit über die Hälfte der Verfahren wieder ein, weil sich der Verdacht nicht erhärten liess. Bei der Operation Himmel handelte es sich um Ermittlungen gegen Nutzer, die sich auf einem (!) Server befanden. Somit ist die Behauptung der angeblichen Steigerung nicht haltbar und lässt sich nicht durch objektive Zahlen belegen. Auf Nachfrage von Journalisten, bleibt das FM im Übrigen bei seiner Darstellung.

Spezialisierte Ermittler beim BKA und Kenner der Szene stellen klar fest, dass der allergrösste Teil der widerlichen Filme und Bilder, die im Netz verbreitet werden, teilweise über 10 Jahre und noch viel älter sind. Es wird auch stark bezweifelt, dass es überhaupt eine sogenannte Industrie um dieses Thema gibt. Die Allermeisten neuen Filme entstehen aus dem privaten Umfeld der Pädokriminellen. Ermittler bestätigen ebenfalls auf Anfrage, dass das Intenet lediglich ein Kommunikationsmedium ist. Als Transportmedium dient nach wie vor der übliche Postweg. Email und das Usenet spielen hier eine kleine Rolle. Dies würde sich aber nicht kontollieren lassen. Viel mehr geht Zensursula mit viel "Tam Tam" auf die Provider los und zwingt sie zu Sperren, die Niemandem etwas nützen. Technische Erklärung folgt weiter unten.

Warum nun Zensursula ausgerechnet das öffentliche Web ins Visier nahm und sich nicht an allgemein bekannte Fakten hielt, lässt sich wohl nur mit Profilierungsabsicht begründen. Achja es ist ja Wahljahr. Das spielt sicherlich auch eine Rolle.
Den Providern, die das Abkommen unterschrieben haben ist nur der Vorwurf zu machen, dass sie gegenüber einer nicht haltbaren und dünnen Faktendecke einknickten. Sie wollten sich nicht in die Ecke der Unterstützer drängen lassen. Das ist zu verstehen.
 

Technische Fakten:

Was wird denn nun gesperrt?
Gesperrt wird nach derzeitiger Lage der Zugriff über die Domain-Name-Server (DNS). Jeder grosse Provider betreibt eigene DNS. Was machen diese DNS?
Nun, wenn ein normaler Surfer in seinem Browser (Internet Explorer / Firefox / Opera etc.) eine Adresse eingibt, beispielsweise www.xxxx.de, dann geht die Suchanfrage zuerst an die Denic. Das ist die deutsche Vergabestelle für Domainnamen, also der Endung .de.

Im dortigen Eintrag steht nun, dass diese Domain im DNS-Server: ns1.irgendeinennamen.de eingetragen ist. Darin findet der Browser nun eine IP-Nummer und diese IP-Nummer sorgt erst dafür, dass der Nutzer seine gewünschte Seite erhält. Denn der Browser versteht nur die IP-Nummer. Der Mensch kann sich aber schlecht hunderte von IP-Nummern wie bspw.: 84.221.63.194 merken.

Und das ist der springende Punkt an der Sperrung.
Der Provider leitet auf seinem DNS-Server die Anfrage von www.irgendeinebezeichnung.de nicht mehr auf die zugehörige IP-Nummer um, sondern auf eine Sperrseite, die den Surfer daraufhinweist, dass er soeben eine gesperrte Domain aufgerufen hat.

Überflüssig zu sagen, dass die Zugriffe auf diese Domain ans BKA weitergeleitet werden, mit exakten Daten des Surfers.
Hier geraten auch Unschuldige ins Visier, wer sich "verklickt" oder über gefälschte Spam-Mails auf eine solche Seite geleitet wird, der ist mittendrin nicht nur dabei. Die Liste der Möglichkeiten unschuldig ins Raster zu geraten ist riesengross.
 

Was ist nun daran gefährlich?


Wie bereits dargstellt kann auch Normalverbraucher damit ins Visier der Ermittler geraten. Anstatt diese Server in aussereuropäischen Ländern konsequent zu bekämpfen, zieht es Zensursula lieber vor das Risiko Unschuldige in die Fahndung hineinzuziehen, einzugehen. Das ist Schwachsinn und zeugt von einer technischen Unwissenheit, die nicht mehr zu überbieten ist.

Kein Mensch, weder Verbraucherschützer, noch Journalisten haben die Möglichkeit diese werktäglich neu erstellte Liste zu überprüfen. Der Inhalt ist geheim.
Wenn bei der Sperrung ein klein wenig zuviel zugegriffen wird, dann werden auch schnell viele tausend "saubere" Seiten gesperrt. Denn ein Domainname ist nicht einfach über domainname.xx zu sperren. Es gibt noch die vielen Subdomains wie www.domainname.xx und eine Sperrung mittels Platzhalter wie *.domainname.xx (Das .* steht für jeden Buchstaben, jede Zahl und jedes Sonderzeichen) führt unweigerlich dazu, das Seiten auf die Sperrliste geraten, die da nicht hingehören.

Das Interessante finde ich, ist Folgendes:
Von der Sperrungsverpflichtung ausgeschlossen bleiben: "alle staatlichen Einrichtungen wie Behörden, Bibliotheken, Universitäten oder Schulen". Und das offensichtlich aus Kostengründen.
Ausgerechnet Schulen ???
 

Was für Sperren gibt es:

Es gäbe die Möglichkeit die IP-Nummer direkt beim Router vom jeweiligen Provider zu sperren. Also ein Packet-Dropping duchzuführen. Diese Sperre liesse sich nur sehr schwer umgehen. Was dann folgt ist allerdings klar. Da sehr viele Domains bei Sharehostern wie 1und1, Freenet, Strato etc. laufen und unter einer einzigen IP-Nummer mehrere Seiten gehostet werden, wären auch diese "sauberen" Seiten betroffen. Und Alle, die diese "sauberen" Seiten anklicken, bspw: ein harmloser Webshop, wären ebenfalls registriert.

Andere Länder leiten die Anfragen auf einen Proxyserver um und gleichen die IP-Nummern ab. Auch dies ist mit Rewebbern und Anonymisierungsdiensten leicht zu umgehen.

Zensursula behauptet, dass in Schweden täglich 50.000 Klicks auf KP-Seiten verhindert werden. Bisher weiss niemand, woher sie diese Zahlen hat.

„Es gibt keinerlei statistisches Material, das besagt, welcher Art diese Klicks sind. Das war eine unserer Forderungen, dass das untersucht wird, wenn man hier eine gesetzliche Regelung schafft.“ Man müsse sich die Frage stellen, welche Qualität diese Klicks auf Kinderpornografie hätten. „Der größte Teil dieser Klicks, die dort gezählt werden, sind die vielen Suchmaschinen“, so Michael Rotert, Vorstandsvorsitzender des Verbands der deutschen Internetwirtschaft (eco). Suchmaschinen besuchen jede Seite und jeder Besuch ist wiederum ein Klick.
 

Fazit:


Die Sperrung nutzt Niemandem. Die Pädokriminellen wissen bereits wie sie die Sperrung umgehen. Betreffen wird es über kurz oder lang auch "saubere" Seiten. Die KP-Industrie, die keine ist, wird es somit auch nicht finanziell betreffen. Zensursula lässt sich feiern - allerdings ist das kein Sieg - eher ein weiteres Misstrauensvotum des Staates gegenüber seinen Bürgern.

Die grosse unterschätzte Gefahr für uns Alle:


Dramatisch wird es, wenn Kriminelle über infizierte private PCs, solche Seiten aufrufen lassen. Das dies passieren kann wird derzeitig in einschlägigen Kreisen im Netz heiss diskutiert. Jeder, dessen PC, mit einem Virus oder einem anderen Schädling verseucht ist, ist nicht mehr sicher was mit seinem PC ohne sein Wissen getrieben wird und welche Seiten aufgerufen werden. Bei derzeitig etwa 3 Millionen verseuchter PCs in Deutschland (so vorsichtige Schätzungen) droht hier durchaus grosse Gefahr für die Nutzer virenanfälliger Betriebssysteme. Im Übrigen (Alle Redaktions-PCs und Produktions-PCs von Oppau Info laufen unter Linux - Ubuntu und Archlinux)  und sind mit IP-Tables geschützt. Und das ist auch gut so.

Wer jetzt immer noch meint, dass er als Admin im Web surfen muss und sich nicht sehr gut schützt, dem ist nicht mehr zu helfen. Denn über kurz oder lang geraten auch mal "normale" Pornoseiten auf diese Liste. Wer dann eine Spammail mit einer solchen Adresse anklickt, bekommt sehr bald Besuch.

Na dann bin ich mal gespannt, wielange ich noch zu hören kriege: "Mich betrifft das nicht..."

Es bleibt spannend ...