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Obbarer Stenz

Geboren: 
Dienstag, 1 Januar, 1929 bis Freitag, 1 September, 1939

Nur eine Vergrößerung aus einem Stück Schmalfilm von 1929 ist von dieser Legende erhalten geblieben, auf der sie offensichtlich bei einem "normalen Ausgang" vor dem Oppauer Ratskeller zu sehen sind. Rudolf Walter, ein selbstständiger Ankerwickler aus der Friesenheimer-Straße, nennt sie in seiner Erzählung schwärmerisch:

  • Die "glorreichen" Fünf von Oppau!
  • Der Traum aller Mädchen in den dreißiger Jahren.
  • Das Triumvirat der Stenze

Ihre Namen muß man sich einfach auf der Zunge zergehen lassen: "de Schigges - de Bubbes - de Schleuz - de Googs unn de Greggs"! In der Ortschronik / Spitznamen aus alter Zeit   findet man dazu die passenden Familiennamen: Haffner, Süß, Mackert, Collignon, Gärtner, Müller und Schmitt.

Bei einem SonntagsausflugEs gibt unzählige Geschichten von den Fünfen. Sie waren überall zu finden. Auf jedem Auto- und Motorradrennen, auf jeder Kirchweih und jedem Weinfest. Alle hatten Motorräder und machten die Gegend unsicher. Ihre Stammkneipen waren in Frankenthal die "Insel" beim Onkel Peter und Samstags oder Sonntagabend "die Adamslust". Wenn man den Erzählungen von damals glauben kann, dann müssen sie ein wahres "Blutbad" unter den Jungfrauen im Landkreis angerichtet haben.

Sie waren alle aufs modernste gekleidet, natürlich nach der damaligen Mode. Auf Taille geschnittene Sakkos, ziemlich kurz, dazu Hosen mit mindestens "55 bis 60er Schlag" (Hosenbeinbreite) und Seidenschal um den Hals. Dazu die modische "Batschkapp" (Schirmmütze) und Gamaschen über den Schuhen. Da soll einer noch was sagen.

Beim Greggs in der WerkstattDer "Schleuz" hatte ein Motorrad, wenn ich daran denke, läuft mir heute noch das Wasser im Munde zusammen. Eine 500er NSU, kopfgesteuert mit roter Speziallackierung, hochgezogener Doppelauspuff ohne Schalldämpfer! Und erst der Klang, der "Schlag" wie man sagte. Einfach ein Traum von einer Maschine. Die Maschinen der anderen waren auch nicht von schlechten Eltern. Englisch "Triumph", NSU "Bullus", "Standard" und "D-Rad". Die Fünf gingen in der Woche brav ihrer Arbeit nach, aber Samstagnachmittag und Sonntag waren sie "auf Achse". Wenn einer fragte: "Wo gehts denn morje hieh?" dann kam als Antwort: "Morje fahre mer nooch Münche orrer nooch Paris, awwer owends simmer widder doh".

Über die Fahrt nach Paris hat mich einer der Fünf später mal aufgeklärt. Sie fuhren in Wirklichkeit nur in die Pfalz, trieben sich den ganzen Tag auf irgendeinem Weinfest herum und fuhren dann heim. Vor Edigheim hielten sie an, warfen sich gegenseitig etwas Dreck und Staub ins Gesicht und auf die Kleider, dann fuhren sie in ihre Stammkneipe. Dort erzählten sie den staunenden Zuhörern von ihren pikanten Erlebnissen in Paris.

So sorgten sie in Oppau jede Woche für neuen Gesprächsstoff bis, ja bis sie einrücken mußten und Soldaten wurden. Dann kam der Krieg und die Herrlichkeit hatte ein Ende. Sie sind nach dem Krieg alle kreuzbrave Familienväter, Handwerksmeister und Geschäftsleute geworden.

Quelle: Alte "Obbarer-" und andere Geschichten von Rudolf Walter.
Bilder: Alex Schmitt

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