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Wahlplakate - eine Analyse

Juni 6, 2009 von Frank

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Am Sonntag ist Wahl. Und bis dahin legen sich alle Parteien und Politiker mächtig ins Zeug. Denn gewählt werden bedeutet Macht, Ansehen und ein kleines Salär von den Bürgern. Der Staat, das sind immer noch wir. Auch wenn das so mancher Politiker nicht wahrhaben will und sein eigenes Süppchen zu kochen versucht.
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Doch dies ist ein anderes Thema. Heute geht es mir um die Wahlaussagen auf den Plakaten. Da sind Kleinode der Kommunikationstechnik versteckt, die ich so nicht erwartet hätte.

Zunächst einmal bedeutet Wahrnehmung immer die Wahrnehmung mit allen Sinneskanälen, also auch des Visiuellen. Hier haben fast alle Kandidaten sympathische und ausstrahlungsgewaltige Bilder im Rennen. Naja fast. Ein paar sollten wirklich einmal mit einem Imageberater sprechen.


Bleiben wir bei den Texten. Hier wurde ganz tief in die Manipulationskiste gegriffen und mit allen Mitteln gearbeitet. Gut soweit die Einleitung.


CDU - Heinrich Jöckel
"Für Eva Lohse und eine starke Mehrheit im Stadtrat" "Und Ludwigshafen gewinnt"

Klare Botschaft. Er ist ein Teamplayer. Das ist in unserer Zeit nicht nur bei Unternehmen, sondern auch in der Politik gefragt. Keine Tilgungen (dazu später mehr). Das Wörtchen >und< hat im Therapie- und Suggestionskontext ebenfalls eine Bedeutung. Das will ich hier mal vernachlässigen.

CDU - Roman Bertram
"und Oppau, Edigheim, Pfingstweide gewinnt"
Nochmal das Wörtchen >und<. Auch hier vernachlässige ich es. Hier handelt es sich um eine Tilgung. Das heisst es bleibt dem Leser überlassen, wie er >gewinnt< interpretiert. Gewinnt Oppau, Edigheim, Pfingstweide im Lotto? An Ansehen? An Mehrwert? Wir wissen es nicht. Also eine eindeutige klassische Tilgung.

SPD - Wolfgang van Vliet
"Oberbürgermeisterkandidat für Ludwigshafen"
Klare Aussage über seine derzeitige Position. Keine Tricks. Oder doch? Ganz klein lesen wir "Stadt mit Zukunft" Erwischt. Eine Tilgung.
Welche Zukunft. Der Leser darf aus seinem eigenen Erfahrungsschatz dem Wort Zukunft die Bedeutung geben, die er möchte. Ob das die Auslegung von Herrn van Vliet ist, bleibt offen.

SPD - Jutta Steinruck
"Für ein soziales Europa" und ganz klein "Anpacken für unser Land"
Tilgungen wohin man schaut. Ich definiere ein soziales Europa vielleicht ganz anders als Frau Steinruck. Nur sie will meine Stimme. Ich weiss leider nicht ob sie das Europa so sozial gestaltet, wie ich es gerne hätte (sollte ein Leser folgerichtig denken)
Und Anpacken. Wie? Wo? Wann? Wer? Warum?
Tilgung. Erwischt!

SPD - Heike Scharfenberger
"Vorsitzende der Stadtratsfraktion"
Klare Aussage über ihre jetzige Position. Und ebenfalls wieder ganz klein. "Stadt mit Zukunft" Tilgung. Erwischt!

SPD - Udo Scheuermann
Klare Aussage "Unser Ortsvorsteher..." Klare Positionierung ohne Wenn und Aber.
"Zukunft anpacken" "Menschlich bleiben"
Tilgungen. Auch hier wird nicht definiert, um welche Zukunft es sich handelt und wie das Anpacken letztendlich aussehen soll. Menschlich bleiben hat sehr viele Bedeutungen. Es handelt sich trotz allem um eine Tilgung.

Bündnis90 / Die Grünen
"Ein Mischen" Was sollen die beiden Pfeile zwischen den beiden Worten? Wer denkt sich so einen Unsinn aus?
Ein Mischen bedeutet vielleicht das Mischen von Karten beim Pokern? Oder "Das ist heute ein Mischen, sagte der Bauleiter zu seinem Chef als er die Betonmaschine startete.
"100% für neue Energie" fehlt da ein "ig" nach dem Prozentzeichen?
"Hier natürlich"
Sorry - keine klare Aussage. Oder bekommen alle Oppauer von der Partei eine Solarheizung geschenkt? Wohl kaum. Viel Getöse um eine eine Stimme zu bekommen.

FDP - Harald Glahn
"Den Knoten lösen - FDP wählen"
Tilgung. Erwischt!
Welcher Knoten? Und wie lösen?
Ich weiss wie man Knoten löst. Ansonsten kann ich auch nautisch erfahrene Bekannte fragen.
Soll das etwa heissen, dass die FDP alle unsere Probleme löst? Naja ich lasse das mal offen.

SPD - Edigheim
"Wer, wenn nicht wir!"
Eine üble Vorannahme. Bedeutet, wenn der Leser die Herrschaften auf dem Plakat nicht wählen will, dann steht keine Alternative zur Verfügung. Also lautet die Vorannahme "Es steht keine Alternative zur Verfügung"
Wer mit solchen Sprachkonstrukten arbeiten muss um an Stimmen zu kommen, verdient eine klare Absage. Rote Karte für ganz schlechten Stil.
Und um die Aussage zu beantworten:
Es gibt jede Menge Alternativen!

SPD - Edigheim - Wahlzettelplakat
"Wir sind gut aufgestellt für den Stadtrat"
Abgesehen von der psychologischen Beeinflussung durch einen gezeigten Wahlzettel, ausgefüllt nach SPD-Edigheim-Wunsch-Bild, handelt es sich hier wieder um eine Tilgung. Wie aufgestellt? Auf den Tisch? Auf den Stuhl? In den eigenen Reihen? Auf der Strasse?
Nein auch hier klare rote Karte. Das ist ebenfalls schlechter Stil.

CDU - Dr. Eva Lohse
"Ludwigshafen in guten Händen" "Viel erreicht - noch viel vor"
Zwei Tilgungen. Die Definition "in guten Händen" bleibt beim Leser wieder offen und was wurde erreicht? Und was genau bedeutet "noch viel vor".
Es handelt sich um Tilgungen die zu der harmlosen Gattung zählen.

CDU - Dr. Eva Lohse
"Erfahren im Amt - Entscheidend für unsere Stadt"
Klare Aussage. Nach sovielen Jahren ist die gebürtige Oppauerin erfahren im Amt und entscheidend für unsere Stadt.

Was ist das Besondere an ihrem Wahlplakat? Richtig. Die Personalisierung. Kein Parteilogo verunziert das Plakat. Sie ist authentisch in ihrem Auftritten und wirkt sympathisch auf dem Plakat. Und die Message ist klar: Wer Eva Lohse wählt, wählt die Person und erst in zweiter (unwichtiger Linie) die Partei.
Meine klare Nummer Eins. Perfekt gemachtes Plakat mit deutlicher Message.

REP -
Zu diesen Plakaten sage ich nur. Angststrategien und Appellierung an niedere Instinkte. Wer auf so etwas hereinfällt teilt sich die Welt in schwarz und weiss ein. Eine einfache Welt. Einfach strukturiert. Ohne Nachdenken, begleitet von der Presse mit den ganz grossen Buchstaben und kaum Wahrheitsgehalt.

Mein Fazit:
Tilgungen sind nichts Schlimmes. Sie lassen jedoch den Leser in seiner eigenen Gedankenwelt(Ressourcen) nach der Antwort suchen. Das fällt im weitesten Sinne unter Manipulation. Dennoch wird der Leser nicht in bestimmte Ecken gedrängt, aus der er nicht mehr so leicht herauskommt.
Anders sieht es bei den Vorannahmen aus. Vorannahmen sind ein unfaires Mittel in der Kommunikation um den Gegenüber für die eigenen Zwecke zu missbrauchen.

Nun, bs auf wenige Aussnahmen waren die Plakate unserer Kommunalpolitiker in Ordnung. Die anderen müssen sich mal Gedanken um ihr eigenes Profil machen. Hier besteht deutlich Handlungsbedarf ...
- meiner Meinung nach ...
 

 

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