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Von kleinen Knechten und grossen Bauern

Ach wie gut, dass ich allein - weiß, der Hof ist sehr bald mein
Bei dieser frei nacherzählten Geschichte aus dem alten Oppau ist eine eventuelle Ähnlichkeit der handelnden Personen mit irgendwelchen unbeteiligten Dritten reiner Zufall und keinesfalls beabsichtigt.

Es begab sich, dass in alten Zeiten in Oppau ein steinreicher Grossbauer mit Namen Korbinian lebte, der war kinderlos und hatte 12 Höfe mit allen dazugehörigen Ländereien, grossem und kleinem Viehzeug.

Grossbauer Korbinian machte nun eines Tages Sepp, einen der Knechte, zum Grossknecht seiner 12 Höfe. Fortan trachtete Grossknecht Sepp danach die 12 Höfe in seinen Besitz zu bringen. Einige Knechte und Mägde hatte er sich mit Versprechungen schon willfährig gemacht.

Als Grossbauer Korbinian eines Tages ankündigte, dass er das Altenteil antreten wolle, sah Grossknecht Sepp seine Zeit gekommen und feierte insgeheim schon seinen neuen Herrenstand. Jäh wurde aber alles zunichte, da Florian, ein bisher verschollener jüngerer Bruder des Grossbauern Korbinian, auftauchte und von ihm sogleich als Erbe aller 12 Höfe eingesetzt wurde.

Das machte den Grossknecht Sepp so wütend, dass er beschloss, dem neuen Grossbauern Florian mit Lügen, Intrigen und Gerüchten seinen Besitz zu verleiden.

Viele Jahre gingen ins Land und der listige Grossbauer Florian, dem die Intrigen nicht verborgen blieben, beschloss eines Tages zum Schein den Hof aufzugeben. Grossknecht Sepp freute sich über die Maßen und forderte von Grossbauer Florian: "Ich bin dein bester Grossknecht, überschreibe mir die Höfe!"  Auch die willfährigen Knechte und Mägde von Grossknecht Sepp malten sich in Gedanken schon alle möglichen Vergünstigungen aus.

Als daraufhin Grossbauer Florian verkündete, er habe sich das nochmal überlegt und wolle noch ein paar Jahre auf dem Hof bleiben, schäumte Grossknecht Sepp insgeheim vor Wut über. Seit einiger Zeit hatte er sich jedoch mit Caspar und Melchior, zwei einfachen Knechten aus benachbarten Höfen, im Stillen zusammengetan:

  • Knecht Caspar musste Hasen und Rehe, die sein Herr geschossen und Fische die er gefangen hatte, verkaufen.
  • Knecht Melchior verkaufte in seines Herren Namen Wurzel-Schnaps, Räucher-Schinken und Katen-Brot.

Bei beiden gingen die Geschäfte mehr schlecht als recht. So dachte sich Grossknecht Sepp einen listigen Plan aus: Ich verspreche beiden dass sie auf allen 12 Höfen, wenn sie erst mal mir gehören, ihre Waren verkaufen dürfen. Einhalten muss ich das Versprechen ja nicht. Wenn sie erzählen wie ich zu den Höfen gekommen bin, dann sind beide ihre Anstellungen als Knechte los und werden nirgendwo mehr eingestellt.

Knecht Melchior benutzte er als erstes, um Zwietracht zwischen Bauer und Bäuerin zu säen. Er ließ ihn das Gerücht verbreiten, dass Grossbauer Florian heimlich mit einer Geliebten ins Heu gehe und diese als neue Bäuerin nehmen wolle.

Freunde der Bäuerin hatten ihr jedoch vorher schon von einem seltsamen Ritual erzählt. Am Waldesrand sahen sie des Nachts mit schwarzem Gesicht eine Gestalt, die Ähnlichkeit mit Grossknecht Sepp hatte, auf einem Bein um ein Feuer hüpfen, mit dem Fuß aufstampfen und und schreien:

Heute Lug und morgen Trug,
Übermorgen Siegeszug.
Ach wie gut, dass ich allein
weiß, die Höfe sind bald mein!

Die Bäuerin aber hielt fest zu ihrem Florian und auch dieser Plan von Grossknecht Sepp misslang!

Die Wut und der Zorn von Grossknecht Sepp wurden immer größer. Er konnte an nichts anderes mehr denken. "Grossbauer Florian muss enteignet werden" schwor er sich und setzte als nächstes den ahnungslosen Knecht Caspar für seinen Plan ein. Er ließ ihn unwahre Behauptungen verbreiten und schickte ihn zum Schultheißen um vom Dorfgericht feststellen zu lassen, dass sich Grossbauer Florian die 12 Höfe zu Unrecht angeeignet habe.

Nun war es zu damaliger Zeit aber Sitte, dass jeder Bauer als Eigentumsnachweis in der Mitte seines Hofes einen "Hofbaum" von gut 30 Fuss Höhe aufstellte, an dessen Spitze die Tafeln mit den Namen all seiner Höfe und des Erben festgemacht wurden. Da Grossbauer Korbinian 12 Höfe besaß, waren an dem Baum auch 12 Tafeln angebracht.

Als dann das Dorfgericht zusammentrat, sollte der Gerichtsschreiber den "Hofbaum" hochklettern um den Namen des Erben zu verlesen. Dem Grossknecht Sepp lief es heiss und kalt über den Rücken: die verfluchten Tafeln, die hatte er ganz vergessen! Jetzt musste er schnell handeln, der Gerichtsschreiber und die 12 Tafeln mussten weg. Er ließ Knecht Caspar vor dem Dorfgericht sofort Widerspruch einlegen: "Dieser Gerichtsschreiber darf sich am Dorfgericht nicht beteiligen. Er ist kein Ortsansässiger" daraufhin musste der Gerichtstermin verschoben werden und Grossknecht Sepp hatte eine kurze Galgenfrist.

Bis zum nächsten Termin war es dem Grossknecht Sepp jedoch nicht möglich, unbemerkt die 12 Tafeln beseitigen zu lassen. Sie hingen einfach zu hoch. Grossbauer Florian aber konnte in der Zwischenzeit alte Schriftstücke vorlegen, die bezeugten, dass er tatsächlich der verschollene Bruder des Grossbauern Korbinian sei. Ein neuer Gerichtsschreiber erklomm beim nächsten Gerichtstermin den "Hofbaum" und verlas dem Dorfgericht den Namen des rechtmäßigen Erben: Florian.

Grossknecht Sepp und seine willfährigen Kriecher schlichen wie begossene Pudel von dannen.

Und wenn er nicht gestorben ist, dann hüpft er auch noch heute auf einem Bein, und singt leise:

Heute Lug und morgen Trug,
Übermorgen Trauerzug.
Ach wie dumm, dass ich allein
tanzen muss im Mondenschein.

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