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Uns hat in dieser Sache die andere Seite interessiert. Die Seite des Polizeibeamten, der die Entscheidung und Auswahl direkt während der Kontrolle trifft. Hier haben wir interessante Dinge gesehen und gehört. Alles war vertreten. Humor, flotte Sprüche, gekonnte Ausreden. Leider auch dreiste Frechheiten. Was uns irgendwie überraschte.
"Mit der Erfahrung eines Beamten, wie Kollege Horst, steht und fällt die gesamte Aktion", klärte uns ein Mitglied des Führungsstabes im Polizeipräsidium Lu auf. Und der Beamte Horst, steht ruhig und gelassen auf der Fahrbahn, hält die Fahrzeuge kurz an, schaut sich den Fahrer, die Insassen und den Innenraum an und entscheidet in Sekundenschnelle, ob das ein Kandidat für eine nähere Kontrolle sein könnte. Uns hat vor allen Dingen interessiert, nach welchen Kriterien er die Fahrzeuge selektiert.
Freundlich hat er uns zu sich gebeten und uns bei jedem Fahrzeug einen Kommentar gegeben.
10 Jahre macht er diesen Job. Und in diesen 10 Jahren hat er wohl alles bereits erlebt. Der Geschäftsmann im Anzug z.B. dessen völlig verfaultes Gebiss so garnicht zur restlichen Erscheinung passte. Bei näherer Kontrolle entpuppte dieser sich als Konsument von Heroin.
"Es geht quer durch alle Altergruppen und soziale Schichten", sagt er uns zwischen den einzelnen Fahrzeugen.
Gerade wollte ich ihn fragen, was ihn den nach so langen Jahren immer noch ärgert, da passiert es.
Mit flotter Fahrweise fährt ein Wagen der Oberklasse in die Kontrolle. Er fordert den Fahrzeugführer auf, die Scheibe herunterzudrehen und dieser schaltet offensichtlich für Alle, sein Handy aus und lässt es seelenruhig zwischen seine Beine sinken.
"Was soll denn das?" fragt der Beamte
Der Ertappte stellt zunächst die üblichen, ausweichenden Fragen wie. "Was soll was?"
"Na das Handy, das sie eben gerade auf den Sitz haben fallen lassen"
"Ich habe kein Handy in der Hand gehabt", "Ich habe eine Freisprecheinrichtung"
"Sie haben ihr Handy in der Hand gehabt. Das habe ich gesehen. Wenn sie eine Freisprecheinrichtung nutzen, dann müssen sie das Handy nicht in die Hand nehmen. Alleine das Handy in die Hand zu nehmen, wenn der Wagen rollt, ist bereits ein Verstoss."
Dieser Dialog zog sich wenige Minuten hin, bis der Beamte ihm klar zu verstehen gab, dass er mit Ehrlichkeit wohl weiterkommen würde und er sich so etwas nicht erzählen lässt. Irgenwann gab der Mann auf und räumte eher kleinlaut ein, was er gemacht hatte.
"Was mich immer wieder ärgert ist die Dreistigkeit mit der wir angelogen werden"
so der Beamte Horst. "Daran werde ich mich niemals gewöhnen. Wenn die Fahrzeugführer ehrlich bleiben, dann entspannt dies die Situation deutlich. Oder die Ertappten sagen garnichts. Auch das ist für mich OK." so der Routinier weiter.
Zwischendurch werden immer wieder die mobilen Drogentests durchgeführt. Es ist bestimmt für die Betroffenen ein komischen Gefühl unter polizeilicher Bewachung im Gebüsch Urin zu lassen.
"Wichtigstes Kriterium ist die Reaktion", sagt mir der Beamte. "Wenn ich in ein Fahrzeug schaue, beobachte ich die Reaktion im Gesamten und die der Pupillen im Speziellen" "Wer unter dem Einfluss von Drogen steht hat veränderte Pupillen und seine Reaktion ist sichtbar langsamer als die eines Nichtkonsumenten".
Langsam verstehe ich das System. Es folgen immer wieder Fragen wie "Kommen Sie gerade von der Arbeit?" Oder "Wohin fahren Sie?". Scheinbar banale Fragen an deren Beantwortung der routinierte Beamte erkennt ob weitere Tests notwendig sind. Ist dies der Fall dann muss der Fahrzeugführer sein Gefährt am Rand abstellen und warten bis sich andere Beamte mit ihm beschäftigen.
Es sind die witzigen Dinge, die während einer Kontrolle passieren. Die junge Mutter mit Kind, die ohne Aufforderung gleich ihr Auto parkt. Somit hat der Beamte Horst keine Chance mehr sie eventuell weiterzuwinken.
"Naja, wen sie schon freiwillig halten, dann bekommen sie auch ihre Kontrolle" sagte er mit einem verschmitzten Lächeln und einem freundlichen Unterton. 5 Minuten später fuhr sie weiter. Keine Anzeichen für Drogen und oder Alkohol und Papiere in Ordnung. "Das war mir klar, das war nur eine Formsache"
Oder, der junge Ausländer im billig getunten Kleinwagen, der den Beamtem mit einem lockeren "Hey was willst du, konkret" entgegenprovoziert. Viel Spass hat er nicht gehabt. Er hatte Alkoholverdacht, der sich im Laufe der Kontrolle erhärtete. So musste er denn schlussendlich mit auf die Dienststelle zur Blutprobe. Seine 3 Mitinsassen hatten keinen Führerschein und deswegen blieb das Auto stehen und wurde von einem eilig herantelefonierten Bekannten des Fahrers, weggefahren.
Provozieren ist eine eher schlechte Strategie stellen wir in diesem Moment fest.
Überhaupt zeigen sich alle Beamten routiniert, erfahren und lassen sich mit nichts aus der Ruhe bringen.
Alkohol und Drogen im Strassenverkehr ist kein Kavaliersdelikt mehr. Die Strafen wurden Anfang dieses Jahres drastisch erhöht, so dass wir uns lieber eine Woche Mallorca für eine Person leisten, denn davon haben wir mehr.
Der Ärger, der nach und nach von der Führerscheinstelle auf die Ertappten einbricht ist es nicht mehr wert. Kein Alkohol der Welt.
Wer es dennoch wagt und mit 0,5 Promille erwischt wird, der bekommt keinen Reisegutschein nach Mallorca. Sondern ein Bussgeld in Höhe von 500 Euro, 4 Punkte in Flensburg und 4 Wochen Fahrverbot.
Bei höheren Werten erfolgen deutlich höhere Strafen.
In der Zwischenzeit hat der Beamte weitere Fahrzeuge herausgezogen deren Fahrer nun auf die Abfertigung warten.
Getreu dem bekannten deutschen Sprichwort, erkennt er seine Schweine tatsächlich am Gang.
"In all diesen Jahren habe ich ein Gespür dafür entwickelt"
Das ist auch gut so, denn alkoholisierte und Drogenkonsumenten wollen wir im Strassenverkehr garnicht. Dafür haben wir auch kein Verständnis. Wer trinkt soll sich ein Taxi rufen und nicht sich und andere Verkehrteilnehmer gefährden.
Die Kontrolle neigt sich langsam zur Pause hin. "Wir legen eine Pause ein, da wir nicht stundenlang konzentriert arbeiten können ohne unsere Eigensicherung zu vernachlässigen" Das verstehen wir - bei allem Humor. Eine solche Kontrolle ist kein Spaziergang. Die Beamten müssen jederzeit mit einer Gefahrensitutation rechnen. Dann gilt es auch die Eigensicherung im Auge zu behalten. "Wir stärken uns und treffen uns später zur letzten Kontrolle in dieser Nacht"
So stellen wir uns unsere Polizei vor. Für uns war es ein interessanter und lehrreicher Abend.
Wir bedanken uns bei der Polizei Ludwigshafen für die Einladung.